Chicory, die Zauberfee

Es war einmal eine kleine Zauberfee. Sie war ununterbrochen beschäftigt. Nie fand sie für sich selbst Zeit. Ständig musste sie sich um ihre Zauberkollegen kümmern. Einmal war ein kleines Zauberbaby krank und die Zauberfee musste dessen Mutter bei der Pflege helfen, dann waren die Zauberponys verletzt und die kleine Zauberfee half. Sie liebte jedes Lebewesen sehr und machte sich ständig Sorgen um ihre Gefährten, wenn sie einmal nicht in ihrer Nähe war. Sie glaubte, ohne ihre Hilfe könne niemand existieren, denn sie nahm sich selbst sehr wichtig.

Einen Zaubertroll liebte und umsorgte sie besonders. Er durfte ohne ihre Aufsicht nie auf den Spielplatz gehen, er durfte nur von ihr Essen nehmen, sie meinte, nur sie könne für den Zaubertroll kochen. ”Chicory”, sagte der kleine Zaubertroll zu der Zauberfee, ”ich bin jetzt schon fast ein erwachsener Zaubertroll und ich möchte alleine schaukeln gehen.” Chicory war sehr enttäuscht:” Du hast mich nicht mehr lieb, du bist doch mein kleiner Zaubertroll. Du kannst noch nicht auf dich alleine aufpassen.” Der kleine Zaubertroll fühlte sich sehr eingesperrt, brachte es aber nicht übers Herz Chicory zu kränken. Deswegen ging er heimlich auf den Spielplatz. Jeden Nachmittag, wenn Chicory ausruhte, schlich er sich davon um wenigstens eine halbe Stunde alleine zu sein. Er hatte natürlich keine rechte Freude am Schaukeln und Toben, weil er immer Angst hatte Chicory würde ihn erwischen und glauben, dass er sie nicht lieb hätte.”

Am Rande des Zauberspielplatzes war ein großes Kornfeld. Lustlos schlenderte der Zaubertroll darauf zu. Viele Blumen blühten hier. Eine gefiel ihm besonders gut. Ihre Blüten strahlten in reinem Blau und die Blütenblätter sehr zart und ausgefranst. Er beschloss einen Strauß dieser Blumen für Chicory zu pflücken. Aufgeregt lief er mit seinem Blumenstrauß nach Hause und wartete bis Chicory aufwachte. Dann hielt er ihr die blauen Blumen entgegen und sagte: ”die habe ich für dich gepflückt.”

Ängstlich wartete er, was Chicory wohl dazu sagen würde, dass er alleine weggegangen war, aber Chicory war von dem Strauß völlig bezaubert. Spielerisch fuhr sie mit ihren Händen durch die Blüten und begann mit ihrer lieblichen Stimme zu singen: ”Zichorie, Zichorie um mich ist Glanz und Glorie!” Verdutzt hörte ihr der kleine Zaubertroll zu. Eine Strafpredigt zumindest, das hatte er erwartet, aber keine tirilierende Chicory. Die Zauberfee steckte die Blumen in eine Vase und stellte diese auf den Esstisch. Dann deckte sie den Tisch zur Jause. Der Zaubertroll biss gerade in ein dickes Marmeladebrot, als Chicory ihn fragte: ”möchtest du heute nicht alleine zur Ponyreitstunde gehen?” Der kleine Zaubertroll verschluckte sich an seinem Brot. Jahrelang hatte er Chicory angebettelt, doch einmal alleine reiten zu dürfen und heute, ohne, dass er etwas sagte, bot sie es ihm an. ”Du hast mir das noch nie erlaubt, Chicory”, würgte er hervor als er sich von seinem Hustenanfall erholt hatte.

”Ich habe plötzlich erkannt, dass ich dich mit meiner Liebe und Überfürsorge ersticke”, erwiderte Chicory nachdenklich. Beide schwiegen eine Zeitlang. Dann reichten sie sich die Hände und wussten, dass von nun an alles gut war.