Holly und Gorse, die kleinen Katzen

Es war einmal eine Katze, die Holly hieß. Sie lebte mit ihrem Frauchen in einem mittelgroßen Haus am Rande einer großen Stadt. Wieder einmal war Sommer und Urlaubszeit. Die Autos rollten an dem Haus vorbei, voll von erwartungsfreudigen Familien, die auf dem Weg in die Ferien waren. Plötzlich hielt ein Auto am Straßenrand an. Die Tür ging auf und ein kleines, zerzaustes Kätzchen wurde heraus geschubst. Dann brauste der Wagen wieder los. Völlig verzweifelt sah das Kätzchen dem Auto nach. Als es in der Ferne verschwunden war legte es sich hoffnungslos ins Gras.

Das Frauchen von Holly hatte den Vorfall durch das Fenster beobachtet. Sie lief aus dem Haus und nahm das kleine Kätzchen in ihre Arme. Sie wiegte es und fragte: „wie heißt du denn, meine Kleine?” „Ich bin Gorse und mir kann keiner helfen”. „Warum denn nicht?” Fragte die Frau. „Ich war lange Zeit im Tierheim. Von da holte mich ein kleiner Junge zu sich nach Hause. Aber ich bin krank. Der Tierarzt konnte mit nicht helfen. Und so wollte mich die Familie mich nicht mehr”. Die resolute Frau nahm das Kätzchen noch fester in ihren Arm und ging mit ihm ins Haus. „Das ist Gorse”, sagte sie zu Holly, „sie wird bei uns bleiben so lange es ihr gefällt.” Dann wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu. In Holly entbrannte wilde Eifersucht. Was sollte das. Das Frauchen brachte einfach so ein dahergelaufenes Miststück zur Tür herein, ohne sie zu fragen. Wahrscheinlich würde sie die kleine Katze jetzt lieber haben. Rachsüchtig baute sie sich vor Gorse auf: „na aus welcher Tonne haben sie denn dich geholt?” Gorse sah sich bestätigt. Sie hatte sich ohnehin keine Hoffnung gemacht, dass es ihr hier gutginge. Resigniert verkroch sie sich unter dem Tisch.

So ging das Tag für Tag, Holly war eifersüchtig und machte Gorse alles zu Fleiß. Auch ihrem Frauchen ließ sie ihren Neid spüren. Gorse hingegen lag krank unter dem Tisch und wollte sich nicht einmal überreden lassen in den Garten zu gehen. Das Frauchen war verzweifelt. In ihrer Not ging sie in den Wald, in dem eine weise Frau wohnte und erzählte dieser ihre Not. Die Weise gab ihr zwei Sträucher mit, die das Frauchen im Garten einpflanzen sollte. Für Holly gab sie ihr einen immergrünen Busch mit stacheligen Blättern, der gerade blühte und süß duftete. Er hieß Stechpalme . Für Gorse bekam sie einen immergrünen Stechginster mit gelben Blüten. Das Frauchen bedankte sich und lief nach Hause.

Im Garten setze sie diese beiden Büsche nebeneinander ein. Sie ging ins Haus, holte Gorse und setzte sie unter den Stechginster. Anschließend suchte sie Holly, die sich wieder einmal versteckte. Sie fand sie und trug sie zu der Stechpalme und legte sie unter den Baum. Das Frauchen selbst setzte sich etwas abseits ins Gras und beobachtete ihre beiden Katzen. Zuerst waren die beiden verdutzt. In ihren Augen stand die Frage: „was sollen wir hier?“. Plötzlich begann Gorse sich gründlich zu putzen. Das hatte sie schon lange nicht mehr gemacht. Immer intensiver leckte sie ihr Fell. Ihre Augen begannen hoffnungsvoll zu schimmern und sie versuchte einen Katzenbuckel zu machen. Holly sah ihr zu und schlich dann langsam unter Gorses Busch. „Oje”, dachte das Frauchen, jetzt wird sie Gorse wieder heruntermachen”. Aber nichts geschah. Holly legte sich neben Gorse und half ihr bei der Katzenwäsche. Dann half Gorse Holly bei der Katzenwäsche. Dann legten sie sich nebeneinander zwischen ihre zwei Büsche, rollten sich auf Katzenart zusammen und schliefen ein.