Hornbeam, das Waldmännlein

Es war einmal ein müdes Waldmännlein. In der Früh, wenn der Wecker klingelte, wollte es gar nicht aufstehen. Was ich heute alles zu tun habe, das schaffe ich ohnehin nie, dachte es. Nach mehrmaligem Umher wälzen gelang es ihm endlich die Füße aus dem Bett zu schwingen und nach seinen Pantoffeln zu tasten. Beim Zähneputzen sah er sich in den Spiegel. ”Deine täglichen Pflichten sind dir zu viel, Hornbeam”, sagte er zu sich. ”Jeden Tag diese Plackerei und in der Früh wache ich müder auf, als ich am Vorabend zu Bett gegangen bin.”

Nach dem Frühstück begann Hornbeam doch mit seinem Tagwerk. Er putzte seine Küche, wischte den Boden auf und machte sein Bett. Danach ging er hinaus Holzhacken. Er schlichtete die kleingehackten Scheite auf einen ordentlichen Haufen. Er schleppte Wasser zu seinem Gemüsebeet und goss die neugesetzten Pflänzchen vorsichtig. Unter den großen Sonnenblumen zupfte er das Unkraut aus. Er arbeitete und arbeitete und als die Sonne unterging kochte er sich eine gute Mahlzeit. Als er beim Essen saß, war er ganz verwundert, dass er alles geschafft hatte, was er sich vorgenommen hatte. So ging er zu Bett und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen war alles gleich wie am Vortag. Er bezweifelte wieder, dass er sein Tagwerk schaffen würde und hatte keine Lust anzufangen. Mühevoll schleppte er sich vor sein Haus zu seinem Holzstoß. Dort bemerkte er, dass kein Holz zum Kleinhacken mehr da war. Er betrachtete seinen Vorrat und stellte fest, dass dieser nicht den ganzen Winter zum Heizen reichen würde. Da packte er seine Axt und ging tief in den Wald hinein um Äste zu sammeln, die er zu Kleinholz verarbeiten konnte. Er hatte schon viel Holz auf seinen Rücken geladen, als er Lust auf eine kleine Pause bekam. Er ließ sich unter einer Hainbuche nieder und streckte alle viere von sich. Ein leichter Windhauch Strich durch die Zweige und diese schüttelten ein paar Blätter und Blüten auf den Bauch von Hornbeam. Einer Eingebung folgend, nahm das Waldmännlein sein Taschentuch heraus und legte diese Spende des Baumes hinein. Er verknotete die vier Zipfel des Tuches und steckte es in seine Hosentasche. Dann stand er auf, streckte sich und gähnte, packte das gesammelte Holz auf seinen Rücken und marschierte nach Hause. Mittlerweile war es Abend geworden. Er bereitete sein Essen zu und begann sich zu entkleiden. Da fiel ihm das verknotete Tuch in seiner Hosentasche ein. Er nahm es heraus und legte es unter seinen Kopfpolster. Dann fiel er müde ins Bett.

In der Nacht hatte er einen wunderschönen Traum. Er sah sich jeden Morgen lustig aus dem Bett hüpfen und munter sein Tagwerk beginnen. Die Arbeit ging ihm so flott von der Hand, dass er sogar vor Sonnenuntergang fertig war und auf der Bank vor seinem Haus in Ruhe sein Pfeifchen schmauchen konnte. In der Früh klingelte der Wecker und Hornbeam setzte sich ohne Herumwälzen auf. ”Eigenartig”, dachte er, ”ich fühle mich so ausgeruht und voller Kraft”. Er sprang aus seinem Bett, putzte sich die Zähne, frühstückte und begann mit seiner Arbeit: Alles war so wie in seinem Traum. Noch vor Sonnenuntergang saß er vor seinem Haus und rauchte gemütlich seine Pfeife.