Rock Rose, der Schutzgeist

Es war einmal ein Schutzgeist, der Schwerarbeit leisten musste. Er war zuständig für ein kleines Mädchen, dass Wirbelwind hieß. So wie das Mädchen hieß, so war sie auch. Sie war immer in Bewegung. Sie kletterte auf Bäume hoch hinauf und der Schutzgeist musste immer seine Arme unter sie halten, sonst wäre sie schon oft hinuntergefallen. Auf der Straße wollte sie ihrer Mutter nie die Hand geben und es ist schon einmal vorgekommen, dass der Schutzgeist sich zwischen ein Auto und Wirbelwind stellen musste, sonst wäre das Mädchen überfahren worden.

Nicht einmal in der Nacht konnte der Schutzgeist, der Rock Rose hieß, sich ausruhen. Das Mädchen ging im Traum spazieren. Da musste Rock Rose auf der Hut sein, damit Wirbelwind sicher in das Zimmer ihrer Eltern gelangte und nicht über die große Treppe fiel. Auch bei Tieren war größte Vorsicht angesagt. Wirbelwind kannte keine Angst. Sie fasste jeden Hund und war er noch so groß sofort an. Manche Hunde mochten das nicht und versuchten nach Wirbelwind zu schnappen, aber Rock Rose passte auf. Kein Leid geschah der Kleinen. Einige Erwachsene wunderten sich über Wirbelwinds Glück. Andere wieder sagten sie müsse einen Schutzgeist haben. Sie ahnten gar nicht wie recht sie hatten. Rock Rose lächelte oft über sie.

Als Wirbelwind ihren fünften Geburtstag feierte lächelte der Schutzgeist kaum mehr. Er hatte keine Zeit dazu. Ständig stellte Wirbelwind etwas an. Meistens so gefährliche Dinge, wie auf die heiße Herdplatte greifen oder die Waschmaschine alleine zu öffnen. Rock Rose lebte nur mehr in Angst und Panik, dass seinem Mädchen etwas Schreckliches zustoßen könnte, denn Wirbelwind war sich vieler Gefahren gar nicht bewusst.

An einem sonnigen Nachmittag sprang sie fröhlich und wild über die Wiese. Plötzlich stolperte sie über einen Stein, fiel hin, schlug sich den Kopf an und blieb bewusstlos inmitten der trockenen Wiese, die mit vielen gelben Blütenknospen geschmückt war, liegen. Rock Rose, der Schutzgeist war gelähmt vor Schrecken und Verzweiflung. Haltlos schluchzend ließ er sich neben Wirbelwind in den gelben Blumenteppich fallen. Das Mädchen aber hatte in seiner Bewusstlosigkeit einen Traum. Es sah sich selbst einen morschen Baum hinaufklettern. Jeder Ast stöhnte unter ihrem Gewicht. Sie bekam Angst, als sie sich selbst zusah, konnte aber nicht verhindern, dass sie im Traum höher und höher stieg. „Sei vorsichtig“, schrie sie angstvoll auf. Aber das Mädchen im Traum hörte nicht auf sie. Plötzlich brach ein Ast unter der Last des Mädchens und es flog durch die Luft. Wirbelwind wurde von wilder Furcht bedrängt. Doch plötzlich sah sie, wie ein Wesen aus Licht das Mädchen auffing.

Gelbe Blumen kitzelten Wirbelwind in der Nase und dadurch erwachte sie aus ihrer Bewusstlosigkeit. Sie setzte sich auf. Ohne nachzudenken pflückte sie eine der hellgelben Blumen, hielt sie vor sich hin in die Luft, genau dort wo Rock Rose noch immer verzweifelt lag, und sprach: ”Lieber Schutzgeist, danke dass du mich aufgefangen und heil ins Gras gelegt hast. Bitte nimm dieses Sonnenröschen von mir als Zeichen meiner Dankbarkeit.” Rock Rose hatte sich aufgerichtet und hörte Wirbelwind verwundert zu. Er nahm ihre Blumen und drückte sie an sein Herz. Da löste sich seine Panik auf, die Verzweiflung verschwand und er konnte wieder klar denken. Das Mädchen war inzwischen aufgestanden und schlenderte langsam über die Wiese. Es dachte über seinen merkwürdigen Traum nach und über die Angst, die sie empfunden hatte. Sie erkannte jetzt, in wie viele Gefahren sie sich begeben hatte. Von nun an war sie viel vorsichtiger und besonnener. Rock Rose hatte die helle Freude an ihr und an seinem Sonnenröschen, das er immer bei sich trug.