Wild Oat, das Windrad

Es war einmal ein Windrad, das sehr viele Begabungen hatte. Es konnte sich ganz schnell drehen, oder ganz langsam und es konnte auch stillstehen und rasten. Es war ein sehr hübsches Windrad und es hatte auch einen sehr hübschen Namen – es hieß Wild Oat. Das Windrad stand vor einem sonnigen Fenster und konnte das schöne Wetter genießen. Bei Schlechtwetter drückte es sich ganz nah an das Fenster und war geschützt. Wild Oat war sehr ehrgeizig. Es wollte etwas ganz Besonderes leisten. Aber trotz seiner vielen Talente konnte es sich nicht entscheiden was es wirklich tun wollte.

Wild Oat beschloss eine Reise um die Welt zu machen und hoffte hier seine Aufgabe zu finden. Auf einem Luxusdampfer stand es vorne am Bug und sah den großen, dunkelblauen Ozean. Dann flog es mit einem Flugzeug nach Afrika. Dort wanderte es ganz tief in den Dschungel und sah viele fremde Tiere und Pflanzen. Aber das Glück wollte nicht zu Wild Oat kommen. Die Unzufriedenheit wurde immer größer. Wild Oat speiste in den tollsten und bekanntesten Restaurants und lernte hier berühmte Persönlichkeiten kennen. Es kaufte Kleider nur mehr bei Modeschöpfern. In Samt und Seide gehüllt wartete Wild Oat darauf seine Berufung zu finden.

Viel Zeit verging und Wild Oat verlor am Reisen, am Essen, an teuren Kleidern seinen Spaß. Es kehrte wieder in seine Heimat zurück und stellte sich wieder an sein Fenster. ”Unzufrieden und traurig sein, das kann ich auch zu Hause”, dachte es bei sich und drehte lustlos seine Flügel, die von schönen Kleidern behangen waren.

Es war inzwischen August geworden und die Sommersonne brannte so hell an das Fenster vor dem Wild Oat stand, dass das Windrad die Augen schließen musste und nur mehr blinzeln konnte. Es wehte ein leichter Sommerwind und durch seine kleinen Sehschlitze sah Wild Oat eine Hecke. Vor dieser Hecke wiegten sich Gräser auf schlanken Stielen. Plötzlich kam eine stärkere Windböe, rüttelte an diesen Gräsern und schleuderte rostfarbene Pollen auf Wild Oat. Der Wind brachte das Windrad zum Drehen und bei jeder Drehung rieselte der Blütenpollen in das Zentrum des Windrades.

Wild Oat wurde es ganz warm um das Herz. Er schloss auch den kleinen Sehschlitz seiner Augen und sah zum ersten Mal sein Inneres. Dort sah er alle seine Begabungen auf einem roten Faden aufgereiht. Er sah, dass sie einen langen Weg bildeten an dessen Ende starkes, wärmendes Licht stand. ”Ja”, dachte es in ihm, ”das ist mein Weg”. Er öffnete die Augen und freute sich endlich Gewissheit über seine Aufgabe im Leben zu haben.